Auf dem Höhepunkt der Inflation zirkulierte in Deutschland eine wahre Flut von Papiergeld. Innerhalb von wenigen Monaten wenigen hatte sich die im Umlauf befindliche Geldmenge jeweils verzehnfacht. Die Geldentwertung fand kein Ende.
Für die astronomisch hohen Beträge, die auf den Banknoten vermerkt waren, standen jedoch keine Werte mehr. Für die wöchentlichen Lohnzahlungen wurde körbeweise Papiergeld von den Banken abgeholt. Die Hyperinflation hatte dazu geführt, dass Länder, Kommunen, Reichsbahn und große Privatunternehmen eigenes Geld (Notgeld) gedruckt haben. Direkt nach der Lohnzahlung wurden die Geschäfte gestürmt. Denn, wenn man heute noch für seine Millionen Mark Mehl, Milch und Reis kaufen konnte, so war die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieses Paket morgen schon wieder 1,5 Mio. Mark kosten würde. Die Lebensmittel aber, die man zu Hause in der Vorratskammer aufhob, würden auch nächste Woche, nächsten Monat, teilweise nächstes Jahr zu gebrauchen sein. Bei dem Papiergeld war das nicht der Fall. Obwohl damals Deutschland voll von Millionären war, konnte sich kaum jemand ein Haus oder einen Urlaub leisten. Das Geld war wertlos.
1871 wurde die Reichsmark eingeführt und war stets mindestens zu einem Drittel durch Gold gedeckt, für den Rest gab es andere Sicherheiten. Wie eigentlich immer was es der Krieg, in diesem Falle der erste Weltkrieg, in dessen Umfeld die Golddeckung aufgehoben wurde. Im August 1914 wurde durch das Ermächtigungsgesetz die Reichsbank von der Pflicht enthoben, die Reichsmark jederzeit gegen Gold zu tauschen.
Der Verlauf des Krieges und die anschließenden Reparationszahlungen an die Alliierten führten nicht dazu, dass die Werte hinter dem Papiergeld in gleichem Masse anstiegen. Vielmehr verschuldete sich Deutschland durch seine Rüstungsausgaben so sehr, dass die Inflation bereits Ende des Krieges begann. Mit der Festsetzung der Reparationszahlungen 1921 beschleunigte sich die Inflation und wurde schnell zur Hyperinflation.
Da die Reichsbank alleine mit dem Gelddrucken nicht nachkam, halfen Gemeinden sowie Unternehmen aus: Sie druckten ebenfalls Geld und nannten es Notgeld, mit dem sie ihre Angestellten dann bezahlten. Für dieses Notgeld bekamen Arbeiter und Angestellte dann Sachwerte wie Weizen, Zucker oder Kohlen. Am Ende waren es 700 Trillionnen Reichsmark und weitere 524 Trillionen Mark Notgeld im Umlauf.
Reichsfinanzminister Hans Luther macht angesichts dieser Lage am 16.11.1923 vor dem Reichstag darauf aufmerksam, dass es nur eine wirklich gute Lösung gebe: Rückkehr zu einer durch Goldreserven gedeckten Währung.
Am Dienstag, dem 20.11.1923, wurde dann eine Billion Papiermark durch eine Rentenmark abgelöst. Auch gegenüber dem Ausland verpflichtete man sich zu einer Deckung der neuen Währung durch die Goldreserven.
Der Begriff Goldmark statt Rentenmark setzte sich im Volksmund aufgrund der Golddeckung durch. Ein klares Zeichen dafür, welchen Stellenwert das Gold beim Volk hatte.
Luther ist es in kurzer Zeit gelungen, das Sanierungswerk zum Abschluss zu bringen. Am 20.11. wurden die Notenbankpressen für Papiergeld stillgelegt. Verantwortlich für den Erfolg war aber auch das Verhalten der Bevölkerung und der Regierung: Des Zahlenzaubers der Inflation überdrüssig, wurde die neue Währung anerkannt. Beendigung der öffentlichen Schuldenwirtschaft. Luther formulierte treffend, die öffentliche Hand und die Wirtschaft müssten mit einem Schlag von "der süßen Gewohnheit der Inflation" ablassen und die Vorstellung aufgeben, der Staat könne jederzeit mit der Notenpresse Geldmittel bereitstellen.
Und heute?
Ich bin davon überzeugt, dass der Euro schon heute zum Scheitern verurteilt ist. Der Grund dafür liegt an der fehlenden Golddeckung und weil die ersatzweise Bindung des Euro an die Wirtschaftsleistung der jeweiligen Länder bereits zur Genüge missachtet wurde. Strafen für die Missachtung gibt es zwar für kleine Länder wie Portugal, nicht aber für die Großen Deutschland und Frankreich.
Darius Manczyk
23.02.2004